Deutsche Bank – Der neue Co-Chef Anshu Jain und der Mittelstand

Am Dienstag, den 12.06., war es soweit. Der neue Co-Chef der Deutschen Bank, der sich die Vorstandsspitze mit Jürgen Fitschen teilt, hielt im Hotel Intercontinental in Berlin eine Rede, bei der das Wort „Mittelstand“ für tosenden Applaus bei den Zuhörern sorgte. Dieses Wort konnte der Investmentbanker aus London mit indischen Wurzeln nämlich nicht ins Deutsche übersetzen. Selbst Google hätte ihm darauf keine Übersetzung geben können, so Jain.

Beginn und Ende seiner Ausführungen wurden vom interessierten Publikum in Deutsch vernommen, für den Mittelteil wechselte Jain dann doch lieber ins Englische. Und er hatte einiges zu sagen. Besonders die Finanzpolitik von Angela Merkel hat es ihm angetan. Der neue Co-Chef ist seit Ende Mai im Amt, der Auftritt in Berlin war für ihn diesem Rahmen Premiere.

Ein neuer „Vertrag“ zwischen den Banken und den Bürgern sei notwendig, denn die Bankenkrise zieht vor allen Dingen den Vertrauensverlust der Bürger mit sich und der ist nicht gerade gering. Ja der Mittelstand – darin sieht Jain die Zukunft in Deutschland, er sei das Rückrat der Wirtschaft. Fast 2.000 Teilnehmer des CDU-Wirtschaftrates lauschten den Ausführungen des sympathischen Inders, der sich dafür einsetzen will, dass Europa stärker zusammenwächst. Seine Sorge bezieht sich auf die Situation der Banken allgemein. Misstrauen und Zweifel wachsen in den Anlegern und Kunden. Das sei verständlich, nach all den Schreckensbotschaften der Vergangenheit. Es gilt, das Vertrauen zurück zu gewinnen. Wie konkret sich das bei der Deutschen Bank gestalten soll, darüber wurde jedoch nicht gesprochen.

Die Zahl der globalen Banken sinkt nach Meinung des Investment-Spezialisten und in der nahen Zukunft wird sich der Markt noch stärker konzentrieren. Jain zeigte sich begeistert von Deutschland und der starken Position in Industrie, Export, öffentlichen Finanzen und besonders vom Modell der sozialen Marktwirtschaft. So mancher wird sich in diesem Moment geschmeichelt gefühlt haben.

Der erste, öffentliche Auftritt von Anshui Jain war eine Retrospektive mit kleinem Ausblick auf die Zukunft, zugeschnitten auf Deutschland und Europa, Finanz- und Bankenkrise. Alles in allem ein gelungener Auftritt, der durch die Hervorhebung des Mittelstandes und die Bewunderung für die Unternehmen, seinen krönenden Abschluss fand. Sympathiepunkte sind dem neuen Mann in der großen Deutschen Bank daher schon jetzt sicher – aber es kommt ja auf viel mehr an.